Iran, Iran…

Interessant, wie sich am Thema Iran derzeit wieder die linken Geister scheiden.

Die antiimperialistische ALB postete zunächst auf antifa.de unter „International“ eine Einladung zu einer Veranstaltung zu den Protesten im Iran , die behauptete, im Iran seien „action weeks“. „Was woanders als „extremistische Ausschreitungen“ und „sinnlose Gewalt“ abgewatscht worden wäre, gilt im Fall des Irans als „Freiheitskampf“ und „gelebte Demokratie“ heißt es da.
Das ist natürlich nicht nur eine völlig unzulässige Gleichsetzung vom Kampf um minimalste Rechte, dem mit heftigsten Reaktionen bis hin zum Todschlag begegnet wird und der Problematisierung von gentrifizierung im parlamentarisch- demokratischen Kapitalimus.
Es soll wohl in verschwörungstheoretischer Manier heißen: HIER findens die Herrschenden doof, aber dort nicht, also ist das ihren Bedürfnissen entgegen kommen….
Dazu passt auch das dort verlinkte unerträglich geführte Interview der „Jungen Welt“ mit Pedram Shahyar (attac), in dem beständig versucht wird, die Aufstände im Iran als CIA- Verschwörung dar zu stellen und damit das herrschende Regime zu rechtfertigen.

Dieser aber trifft den Nagel auf den Kopf:

„Leider sind wir konfrontiert mit zwei Arten von Metropolenzynikern. Die einen meinen, eine Emanzipation sei mit amerikanischen Truppen und israelischen Bombern zu erreichen. Die anderen sehen Fortschritt in Form von reaktionärem Antiimperialismus à la Ahmadinedschad oder Hamas.“

Die Junge Welt und ihr artverwandte Betonköpfe werden aber nicht müde, einen stumpfsinnigen Antiimperialismus zu verbreiten, der Ahmadinedschad als Verbündeten im Geiste desselben sieht.

Die ALB hat sich aber wohl eines besseren besonnen und ruft für den 09.07. zu einer Solidemo für die linken Kräfte im Iran auf.

In der Jungle World, die ja eher in die antideutsche Ecke tendiert, kann man durchaus interessante Analysen lesen, allerdings ist es fraglich, ob die dort zu lesenden Appelle zur Einmischung wirklich so sinnvoll sind-
konkrete Maßnahmen gegen die Unterstützung deutscher Unternehmen des Regimes wären zwar wünschenswert- aber andererseits- wir leben in einem profitorientierten System, beständig nach moralischem Handeln zu rufen mutet da etwas seltsam an.
Der Apell muss wohl vor allem an linke Kräfte hierzulande und überall gehen:

Solidarität mit den iranischen Frauen und allen emanzipatorischen Kräften im Iran!!!

Die scharfen Geschütze des Populismus

Der Amoklauf von Winneden bleibt Thema. „Warum macht ein 17- jähriger so etwas?“ wäre eine Frage, die für die gesamte Gesellschaft und alles, was sie trägt- einschließlich der hohen Politik- womöglich sehr schmerzhaft wäre. Eine Gesellschaft, die voller schreiender Widersprüche ist, was schon die aus dem Amoklauf folgenden Debatten beweisen.
Es braucht wirklich nicht viel Menschenverstand, um die Diskussion um das Paintball- Spielen
nicht nur albern, sondern auch aufs abstoßendste verlogen zu finden.

Zwei Zitate deutscher Spitzenpolitiker geistern dieser Tage durch die Medienlandschaft:
„Bei diesen sogenannten Spielen besteht die Gefahr, dass Gewalt verharmlost wird und hierdurch Schwellen zur Gewaltanwendung abgebaut werden“(SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz)
und der Koalitionspartner legt da noch einen nach,
„Dabei wird das Töten simuliert“, (stellvertretender Unions-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach)

Gewalt wird durch alles mögliche verharmlost. Das fängt im Prinzip schon bei Tom und Jerry an. Paintball- Spieler hierzulande geben sich zumindest Mühe, das Spiel weg von einer Kriegssimulation bzw. dem Image davon, zu bekommen.
So gibt es z.B. keine Farbkugeln in Rot. Die Waffen heissen auch nicht Waffen und sehen nicht einmal wie Echte aus.
Noch idiotischer ist aber die Aussage, es sei ja ach so verdammenswert, dass das Töten simuliert würde.
Der Staat unterhält schließlich so einen Verein, in dem nicht nur das Töten simuliert, sondern nach allen Regeln der Kunst einstudiert wird:
Das ist die Bundeswehr.

Unter abgeordnetenwatch.de war dann auch ein aufmerksamer Staatsbürger so klug, die Frage nach diesem Widerspruch zu stellen. Bei Herrn Bosbach kommt aber immer die gleiche, förmliche Standard- Antwort, die mitteilt, gerne alle Fragen zu beantworten, es aber dann doch lieber nicht tut.

Was sollte Herr Bosbach da auch schon zu sagen? Ein Staat IST organisierte Gewalt, Staatsgewalt,
es geht deshalb bestimmt nicht darum, Menschen nicht an Gewalt oder ans Töten zu gewöhnen.
Wenn der Staat das tut, ist es okay.

Wahrscheinlich hat auch schon Herr Bosbach diese Schule der Gewalttäter durchlaufen.

Nationalistische Sehnsüchte

Den Text habe ich schon vor einiger Zeit geschrieben, ich hoffe, er tritt niemandem in allzu unfairer Weise auf den Fuß, es soll ja eigentlich konstruktive Kritik formuliert werden….

„Antiimperialisten“ und „Antideutsche“- zwei politische Strömungen in der radikalen Linken, die sich- mindestens in der Frage des Israel-Palästina-Konfliktes- völlig unversöhnlich gegenüber stehen.
Dabei haben beide Richtungen ein Problem:
Existierende Probleme erkennend kritisieren sie diese, oft ohne den Klassengegensatz zu berücksichtigen.
Und weisen dabei nationalistische Muster auf…

Es ist noch nicht lange her, da hatte ich das Vergnügen, in Ronda, Andalusien, auf zwei junge Israelis zu treffen.
Das Pärchen trank mit meiner Mitfahrerin und mir zusammen Kaffee, wir tauschten Tramp- und Reisetipps aus- Teilzeitvagabunden unter sich.
Natürlich konnte ich es nicht lassen, die beiden nach ihrer Meinung nach dem
Israel- Palästina -Konflikt zu fragen. Und so habe ich an diesem Tag einen Haufen Gedankenanstösse bekommen.

Sie bezogen nicht für eine Seite Stellung- sondern gegen die Herrschenden auf beiden Seiten.
Also eine klassenbezogene Sichtweise, die sich jenseits der nationalbegiffsbezogenen, eingefahrenen Diskussionen hierzulande bewegt.
Ihrer Ansicht nach haben Machteliten auf beiden Seiten ein großes Interesse daran, den Konflikt am Laufen zu halten. Denn es sichert diesen ihre Stellung-
das gilt für die Hardliner und Kriegstreiber auf beiden Seiten.
Obendrein, so sagte man mir, vertreten die USA auf der einen und die arabischen Staaten auf der anderen Seite nur ihre ureigensten Interessen und versuchen sich aus zu spielen, indem sie jeweils „ihre“ Seite mit Waffen voll pumpen.
Mit dem Islamismus palästinensischer „Widerstandsgruppen“ rechneten sie ebenso scharf ab wie mit dem politischen Mainstream in Israel.

So erstaunlich ist eine solche Haltung eigentlich nicht für zwei linke, kritisch denkende Menschen.
Ein nationalistischer Konflikt, das ist Aufstachelung der Menschen gegeneinander bei gleichzeitiger Verleugnung und Verdrängung des Klassenantagonismus.
Die Linke in Deutschland liefert dabei auf beiden seiten nur zu gerne Amtshilfe.

Diese Tatsache ist eigentlich viel erstaunlicher als die politisch umsichtige Haltung zweier junger Israelis. Aber dann irgendwie doch nicht.
Denn politisch blauäugig, ist die Haltung der „Antiimps“ und „Anti-Ds“ vielleicht immerhin psychologisch erklärbar.

Seltsam ist die einseitige Positionierung eben, da gerade die Leugnung des Klassenantagonismus durch die Beschwörung nationaler Einigkeit besonders hierzulande immer heftig durch linksradikale Kreise kritisiert werden- wenn es um das Deutschlandfahnenschwenken, um „Deutsche Opfer“ und „gesunden Patriotismus“ geht. Man weiß:
Nationalismus ist nicht nur ein Feind des sozialen Kampfes, sondern auch deshalb gefährlich, weil man ein „völkisches Kollektiv“ anderen „Völkern“ gegenüberstellt und damit erst die Voraussetzung für Krieg und Rassismus schafft.
Auf Deutschland bezogen ist man darauf in linksradikalen Kreisen so stark sensibilisiert,
weil dies durch seine besondere Geschichte gerade für dieses Land gilt.
Hier haben völkische und nationalistische Positionen in ihrer besonderen Ausprägung die schlimmsten Formen von Rassismus, Antisemitismus, Antikommunismus, Antiliberalismus und Homophobie hervorgebracht- mit der Konsequenz der Vernichtung der geächteten Menschengruppen.
Die Mahnung, die besondere Geschichte des deutschen Nationalismus zu berücksichtigen und das gerade hierzulande mit allen Mitteln gegen ein wiedererstarken eines völkischen Kollektivgefühls vorgegangen werden muss, ist auch ein Verdienst der Antideutschen.
Auch wenn ich nicht mal dahingehend alle Positionen dieser Bewegung teile.

Nichtsdestotrotz, den Antideutschen muss zugebilligt werden, viele richtige Fragen gestellt zu haben. Hinsichtlich der einseitigen Solidarisierung mit allen möglichen Palästinenserorganisationen,
hinsichtlich der Unzulänglichkeit eines Antiimperialismus, der in nationalistische Denkmuster verfällt, auch hinsichtlich einseitiger USA- Kritik und dem Warnen vor verkürzter Kapitalismuskritik.
Die Antwort fällt aber nicht überlegter aus, sondern wirkt häufig wie ein hysterischer Abwehrreflex.

So ist die antideutsche Bewegung eine merkwürdige Mischung aus bewusster, purer Provokation, Hedonismus, dem- aufs äußersten zu begrüßenden- Antinationalismus aber auch albernem Israelpatriotismus und Versatzstücken mitte-rechter und extremismustheoretischer Positionen.
Da wird sich dann auch mal positiv auf Henryk M. Broder bezogen, für den randalierende arabische Jugendliche in Frankreichs Banlieus und Radikalislamisten irgendwie eine Sosse sind,
womit er dem rassistischen Stereotyp vom „arabischen Radikalislamisten“ Vorschub leistet.
Diese Geschmacklosigkeit stammt aus Buch „Hurra wir kapitulieren“- dort macht er übrigens auch eine totalitäre Sehnsucht in der Linken Europas aus.
Auch die Schwärmerei in einem antideutschen Blog über einen Israelbesuch, über die
„coolste Armee“ die es gibt oder über das Wohlgefühl zwischen Israelfahnen ist irritierend.
Weder Armeen noch Nationalfahnen sollten von progressiv denkenden Menschen als „cool“ empfunden werden.
Ganz zu schweigen davon wie viel Menschenverachtung oder wie wenig Verstand jemand aufbringen muss um etwas zu rufen wie „Palästinenser, knie nieder, die Siedler kommen wieder.“

Auf der anderen Seite sieht es oft aber auch nicht besser aus. Solidarität mit radikal religiösen, nationalistischen und autoritären Gruppierungen wie der Hamas ist völlig unangemessen.
Ebenso die blauäugige Kubasolidarität, denn so hoch man den Verdienst dieses kleinen Inselstaates bei der Zurückdrängung US-amerikanischer Hegemonialansprüche schätzen muss-
es bleibt ein autoritär- leninistischer Staat mit ausgeprägtem Militarismus und Nationalismus.
Und, natürlich, ist die ins nationalistische Abdriftende „antiimperialistische“ Richtung teilweise offen für rassistische und antisemitische Positionen.

Bei aller Besonderheit des deutschen Nationalismus und seiner in der Geschichte extremsten, gewalttätigsten Ausprägung: Wer konstatiert, das Nationalismus immer und überall mit Militarismus, aber auch mit Rassismus und Autoritarismus einhergeht und daher nie unterstützenswert, schon gar nicht „cool“ sein kann ist gewiß kein Geschichtsrevisionist.
Es muss ein Ende mit solchen Positionen gemacht werden, um den Begriff des Klassenantagonismus, vor allem aber die kapitalistische Gesellschaft als eine Gesellschaft von Fetischverhältnissen, die Widersprüchlichkeit des kapitalistischen Systems in den Vordergrund zu stellen. Einseitige Positionierungen zugunsten nationalistischer Bewegungen sind für Menschen mit dem Anspruch, progressiv und konsequent- kritisch zu denken, einfach unangebracht.

Woher kommt aber nun dieses mit tiefem, heiligen Ernst betriebene Israel- oder auch Palästina- oder Kubafahnengeschwenke?
Wohl aus der Sehnsucht, eine Art geheiligtes Mekka zu haben.
Linksradikale Politik, die konsequent konträr zu den herrschenden Verhältnissen steht, steht eben sehr allein da. Ein positiver Bezugspunkt, ein Land, wo alles irgendwie besser ist oder das es als unterdrückt zu unterstützen gilt, gibt eine vermeintliche Orientierung für uns, die wir über die herrschenden Verhältnisse eigentlich hinauswollen.
Das ist aber nicht politisch sinnvoll, sondern hoch schädlich.

Ein Anfang…

Salut!

Dies ist also mein allererster Eintrag.
Im Folgenden werde ich durch diesen Blog alles das, was ich digital kreativ veräußere,
in die Weiten des WWW schicken können. Also Betrachtungen über das Reisen, den Alltag und das Politische in alledem,
ein paar lustige Bilder und Grafiken und was sonst so anfällt.

Zu den „Widersprüchen“: Sie sind überall zu entdecken, in zwischenmenschlichen Beziehungen, in Theorien, in allen Winkeln der Erde… und natürlich allumfassend im Schweinesystem!
Das ist entweder zum Verzweifeln oder ungeheuer anregend, je nachdem.
Die blöden Biester haben nun einmal die Eigenschaft, sich nicht einfach aufheben zu lassen und das war’s.
Nein, kaum ist einer greifbar und überwunden, zack, schon steht ein neuer da!

Jeder inhaltliche Beitrag ist ein Spiegel dessen, was ich aus diesen Widersprüchen für mich gemacht habe.

So, und nun liest das hoffentlich wer!